Verkehrsplanung

Bahnhof Thusis: Vom Verkehrsknoten zur Mobilitätsdrehscheibe

Bahnhof Thusis: Vom Verkehrsknoten zur Mobilitätsdrehscheibe

Thusis ist das Zentrum der Region Viamala und ein wichtiger Knotenpunkt für die angrenzende Region Albula sowie den Handlungsraum Nordbünden. Entsprechend hoch ist die Bedeutung des Bahnhofs: Zahlreiche Postautolinien und die Rhätische Bahn verkehren ab oder via Thusis.

Trotz dieser zentralen Rolle wird der Bahnhof seiner Bedeutung heute nur teilweise gerecht. Wegverbindungen und Aufenthaltsbereiche sind weder für Einheimische noch für Touristinnen und Touristen attraktiv. Als Start- und Endpunkt des UNESCO-Welterbes «RhB Albula-Bernina» fehlt dem Bahnhof die gewünschte Ausstrahlung. Zudem entspricht der Bushof den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes nicht.

Weitere Schwächen zeigen sich bei der Lenkung der verschiedenen Verkehrsteilnehmenden, beim Parkplatzangebot und bei der Einbindung des Bahnhofareals ins Ortsgefüge. Das Gelände wirkt heute als räumliche Barriere zwischen Dorfkern, Bahnhof und Compogna – verstärkt durch die markante Höhendifferenz von 15 Metern.

Ziel der Planung ist deshalb ein Bahnhof, der die Ortsteile verbindet und als Mobilitätsdrehscheibe und Aufenthaltsort einen deutlichen Qualitätssprung erfährt. Der Bahnhof soll künftig Visitenkarte und Impulsgeber für Thusis und die ganze Region sein.

Schrittweise Entwicklung als Grundlage

Um die komplexe Situation rund um den Bahnhof zu verbessern, wurde ein mehrstufiger Planungsprozess gewählt. Im Rahmen einer Testplanung erarbeiteten zwei interdisziplinäre Teams ortsbauliche und verkehrliche Lösungsansätze. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bilden heute die Grundlage für den nachfolgenden Arealplan.

Mit der Bearbeitung wurden die Teams von Miller & Maranta, dipl. Architek:innen ETH BSA SIA, Basel, sowie Atelier Corso GmbH, Zürich beauftragt.

Die asa AG brachte ihre verkehrsplanerische Expertise – vertreten durch Jan Wenzel – im Rahmen der Zwischen- und Schlussbeurteilungen ein. Im Zentrum standen insbesondere folgende Themen:

  • hohe ortsbauliche Qualität in Gestaltung, Erschliessung und Durchlässigkeit
  • attraktive, hindernisfreie und übersichtliche Gestaltung des öffentlichen Raums
  • kurze und komfortable Umsteigewege zwischen Bahn und Bus
  • störungsfreie Zu- und Wegfahrten für den öffentlichen Verkehr und damit eine hohe Fahrplanstabilität
  • sichere und gut eingebundene Fuss- und Veloverbindungen
  • qualitätsvolle Multimodalität mit Veloparkierung, P&R, Kiss&R, Taxi und On-Demand-Angeboten
  • Betriebs- und Nutzungskonzept für Bushof und Busdepot gemäss Anforderungen der PostAuto AG

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Testplanung wurde im Auftrag der Gemeinde Thusis und der Rhätischen Bahn durch das Raumplanungsbüro R+K (Marion Roth, Simon Zaugg), Pfäffikon SZ organisiert und begleitet.

Das Beurteilungsgremium vereinte Fachpersonen aus unterschiedlichen Disziplinen:

  • Silvan Fischer, Landschaftsarchitektur, fischer landschaftsarchitekten bsla
  • Janine Vogelsang, Architektur/Städtebau, 720° Architekten AG
  • Jan Wenzel, Verkehrsplanung, asa Arbeitsgruppe für Siedlungsplanung und Architektur AG
  • Christian Zimmermann, Architektur/Städtebau, Institut für Architektur Hochschule Luzern

Die Zusammenarbeit wurde von allen Beteiligten als wertschätzend, konstruktiv und effizient erlebt – eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung dieses zentralen Orts in Thusis.